Magnetrührer im Eigenbau

Geschrieben am 13 Aug 2013

Es gibt diverse Meinungen darüber, wie man Trockenhefe am besten für die Zugabe zur Würze vorbereitet. Einige stellen die Hefe am Tag vorher mit Malzbier an, andere streuen die dehydrierte Hefe einfach über die Würze.

Ich löse die Hefe während des Hopfenkochens in Leitungswasser auf, und gebe dieses dann zur Würze. Um das Lösen der Hefe einfacher zu gestalten, und den Drang mal wieder zu löten zu befriedigen, habe ich nun einen Magnetrührer gebastelt. 

Mit einem Magnetrührer lassen sich Flüssigkeiten berührungslos umrühren, was gerade bei Hefe und der bestehenden Infektionsgefahr sehr hilfreich ist. Magnetrührer finden sich daher auch in allen Labors.

Das Funktionsprinzip ist eigentlich sehr simpel. Unter der Gehäuseoberseite des Magnetrührers drehen sich zwei, auf einer kleinen PLatte befestigten Magnete. Diese Magnete drehen dann einen sog. Rührfisch (ein kleines Stäbchen welches aus mit Kunststoff umhülten magnetischen Metall besteht) im Gefäß mit, welches man auf den Magnetrührer stellt. Mehr Informationen gibt es hier bei Wikipedia.

Solch ein Magnetrührer ist am einfachsten mit einem alten PC-Lüfter zu basteln.Oben auf den Lüfter klebt man zwei kräftige Neodym Magnete und befestigt den Lüfter dann unter einer Platte. Als Kleber bietet sich ein 2-Komponenten Epoxykleber an. Dann noch 12V dran, und der Magnetrührer ist fertig. Ich wollte die Drehzahl des Lüfters aber gerne steuern können. Dies geht zwar auch indem man ein einfaches Potentiometer benutzt, besser ist aber eine Steuerung über Pulsweitenmodulation (PWM). Diese Ansteuerungsmethode kennt man z.B. von der Lüftersteuerung im PC. Leider kostet eine PWM Steuerung bei Conrad oder Reichelt schnell mal EUR 50,-. Aber zum Glück gibt es ja Ebay. Dort bekommt man bereits für EUR 10,- inkl. Versand eine vollständige PWM Elektronik. Teilweise sogar mit Richtungsumkehr.

Das Zusammenbauen des Magnetrührers war dann relativ simpel. Die Platine aus Fernost war übrigens sehr gut verarbeitet und die deutlich beschriftet. Eine Anleitung lag bei Lieferung nicht bei, war aber auch nicht notwendig. Ein Multimeter empfehle ich aber auf jeden Fall. Die von mir erstandene Ausführung der PWM-Elektronik unterstützt sogar eine Richtungsumkehr. Allerdings spielt hier der verwendete Lüfter nicht mit. Der Einfachkeit halber, und da ich noch Epoxykleber da hatte, habe ich auch den Lüfter einfach an die Oberseite des Gehäuses geklebt.  Als Abstandshalter zum Gehäuse haben ich die Schrauben genommen, welche beim Lüfter zwecks Befestigung im PC-Gehäuse dabei waren. Dies hatte den Vorteil, dass ich sehr genau den Abstand zwischen den Magneten und dem Gehäusedeckel festlegen konnte. Je geringer der Abstand, desto besser. Allerdings ist der Lüfter jetzt also nur an 4 Klebepunkten mit dem Gehäuße verbunden. Mal sehen wie lange das hält Smile

Das Zusammenstellen eines Magnetrührers ist ein nettes kleines Projekt, welches auch ohne besondere Kenntnisse in kurzer Zeit erstellt werden kann.

Beim nächsten Brautag wird der Magnetrührer dann seinem ersten echten Test unterzogen.

Wo gibt es das beste Bier?

Geschrieben am 23 Jun 2013

Na in Deutschland natürlich! Oder doch nicht? Beim Gang durch den Getränkemarkt drängt sich einem vor allem der Verdacht auf, dass der deutsche Konsument möglichst billiges Bier möchte, dass unabhängig vom Hersteller möglichst gleich schmeckt.

Hopfenaromen sind kaum herauszuschmecken und Geschmackswunder kann man Vergessen. Bier gilt hierzulande häufig als Billiges Getränk für die Massen. Dabei kann Bier ähnlich wie Wein oder Kaffee eine unglaubliche Vielfalt an Aromen und Gerüchen entfalten.

Während die meisten Kunde beim billigen Wein aus dem Tetrapack und bei Kaffee für 7€ pro Kilo wissen, dass sie Industrieware kaufen welche den verwendeten Rohstoffen nicht gerecht werden, so ist dieses Bewusstsein meiner Meinung nach beim Bier noch nicht vorhanden. Sicher wird über Oettinger die Nase gerümpft, aber Biere von Becks oder Warsteiner lassen sich chemisch praktisch nicht von einem Oettinger unterscheiden.

Ausgerechnet in Amerika, dem Land mit Bieren wie Bud Light, hat sich in den letzten Jahren eine riesige Bewegung rund um das Bierbrauen entwickelt. Nicht nur erfreut sich das Hobbybrauen dort ein viel größeren Beliebtheit als hierzulande, sondern im ganzen Land eröffnen kleine Nano-, und Micro-Breweries. Unbelastet vom deutschen Reinheitsgebot wird hier nach Herzenslust experimentiert. Dabei kommen die seltsamsten Bierkreationen heraus. Und eben auch wenig überraschend die besten Biere der Welt.

Ein Beitrag des ZDF geht diesen beiden Phänomenen auf den Grund. Dem Niedergang der Bierkultur in Deutschland auf der einen Seite, und der relativ neuen Bewegung der Bierbrauer in den USA. Der Beitrag dauert ca. 30 Minuten und lohnt sich auf alle Fälle.

Der Beitrag ist hier in der Mediathek des ZDF zu sehen.

Das Bier und das Reinheitsgebot

Geschrieben am 23 Jun 2013

Jeder hat bereits vom deutschen Reinheitsgebot gehört und kennt von Flaschenaufdrucken die Grundzutaten von Bier. Doch wird Bier wirklich nur aus Wasser, Gerste und Hopfen gemacht? Und was bewirken die einzelnen Zutaten?

Bier besteht, anders als das Reinheitsgebot suggeriert, aus mindestens vier und nicht drei Zutaten. Wenn heute vom deutschen Reinheitsgebot die Rede ist, ist meist die Bayerische Landesordnung von 1516 gemeint. Dies war aber keinesfalls das erste Reinheitsgebot. Bereits vorher waren Brauordnungen weit verbreitet in denen die Zutaten von Bier reglementiert wurden.

Die Bayrische Landordnung von 1516 legte fest, dass Bier lediglich aus Gersten, Hopfen und Wasser gebraut werden dürfe. Insbesondere die Beschränkung auf Gerste und nicht etwa eine allgemeinere Beschränkung auf Malz zeigt eine der Ziele der Landordnung. Das wertvollere Weizen und der Roggen sollten dem wichtigeren Brotbacken vorbehalten bleiben. Ähnliches gilt für die Bestimmung, nur noch Hopfen zu verwenden. Vor der Verwendung von Hopfen nahm jeder Brauer andere Kräuter für das Bier. Dabei kamen auch berauschende Kräuter zum Einsatz, sodass man in der Landesordnung auch ein frühes Gesetz zur Eindämmung des Drogenkonsums sehen kann.

Darüber hinaus hat die Verwendung von Hopfen einen entscheidenden Vorteil gegenüber den bis dahin verwendeten Kräutern. Die Dolden der weiblichen Pflanzen haben an der Unterseite der Doldenblätter kleine Harzkügelchen. Diese enthalten Lupulin. Dieses ist sowohl für den bitteren Geschmack verantwortlich als auch für die konservierenden Eigenschaften des Hopfens.

Bier welches mit Hopfen gebraut wurde, hält bedeutend länger als z.B. ein mit Lavendel gebrautes Bier.

Der Hopfen dient also der Bitterung und der Haltbarmachung von Bier. Darüber hinaus verleiht er dem Bier auch nuancierte Hopfenaromen.

Doch welche Rolle spielt die Gerste, bzw. das Malz im Bier. Hier möchte ich zunächst darauf eingehen, was Malz eigentlich ist. Um es ganz kurz zu machen: Malz ist gekeimtes und getrocknetes Getreide. Anders als in der Bayrischen Landesordnung von 1516 vorgeschrieben werden auch andere Getreidesorten für das Bierbrauen verwenden. Dazu zählen Weizen, Dinkel und Hafer.

Das Getreide wird angefeuchtet an einem warmen Ort gelagert. Dort beginnt nach kurzer Zeit die Keimung. Bei der Keimung werden im Korn Enzyme gebildet. Diese Enzyme wandeln die Stärke im Getreidekorn in Zucker um.

Die Keimung wird jedoch durch das Erhöhen der Temperatur abgebrochen. Dies wird auch „Darren“ genannt. Das gekeimte Getreide wird getrocknet und bis zum gewünschten Bräunungsgrad gedörrt. Wie dunkel das Malz ist, bestimmt die Farbe des fertigen Bieres.

Das gedörrte Getreide wird abgekühlt und die Keime werden entfernt. Das Malz ist fertig. Vor der Verwendung beim Brauen muss es nur noch geschrotet werden.

Das Malz stellt also beim Bierbrauen die Zucker zu Verfügung, welche bei der Vergärung in Alkohol umgewandelt werden.

Dies führt auch direkt zur letzten Zutat von Bier. Der Hefe. Als die Bayerische Landesordnung geschrieben wurde, war noch nicht bekannt wie Hefe wirkt und dass es sich bei Hefe um einen Organismus handelt. Die Hefe an sich war bekannt und wurde als „Zeug“ bezeichnet. Bevor bekannt war, dass man "Zeug" benötigte, stellte man die Gärbehälter einfach an die frische Luft und hoffte, dass die Gärung durch wilde Hefen einsetzte. Dies führte teilweise zu ungenießbaren Ergebnissen und nur sehr selten zu einem leckeren Bier.

Heute werden spezielle Brauerhefen verwendet, und jede Brauerei kultiviert ihren eigenen Hefestamm. Die Wahl der Hefe entscheidet mit über den Geschmack des Bieres. Während einige Hefen mehr Ester und damit Fruchtaromen ausbilden, erhält der Brauer bei der Verwendung anderer Hefen eher ein trockenes Bier.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass das Reinheitsgebot in Deutschland nicht so konsequent eingehalten wird, wie einem die Werbung dies suggerieren möchte. So werden technische Hilfsstoffe bei der Bierproduktion eingesetzt um die Schaumstabilität zu erhöhen oder das Bier klarer zu machen. Die Verwendung dieser technischen Hilfsstoffe muss nicht angegeben werden, da diese vor dem Abfüllen wieder aus dem Bier herausgefiltert werden und im Bier in der Flasche chemisch nicht mehr nachgewiesen werden können.

Die Verwendung von Hilfsstoffen finde ich dabei jedoch nicht weiter problematisch. Allerdings sollte auch kein Geheimnis darum gemacht werden. So verwenden wir beim Brauen Irländisches Moos um das Eiweiß in der Würze zu binden und so die Schwebstoffe im Bier zu reduzieren. Unser Bier entspricht damit technisch nicht mehr dem Reinheitsgebot. Unser Ziel ist es aber vor allem ein leckeres Bier zu brauen.

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